Tagebuch über Malawi-Reisen von Active Aid in Africa
Logo Active Aid in Afrika

Wo Büsche Ohren haben...

Alltagsleben und

Reisen in Afrika - Malawi

Malawi, Lower Shire, eingestuerzte Bruecke
Mythos Afrikas, Königin der Savanne
Ankunft in Kenia, Likoni-Fähre bei Mombasa
Kenia, bei Mombasa, Hock-Klo mit Dusche
Malawi, Lower Shire, Wohnhaus in Tengani

Auszüge aus den Tagebüchern über die Reisen nach Malawi

Aufzeichnungen über Reisen und Aufenthalte nach und in Malawi

Afrika Als die beiden Vorsitzenden von Active Aid in Africa per E-Mail ihren Freunden in Deutschland über ihre manchmal Haar sträubenden Erlebnisse im Inneren des mysteriösen schwarzen Kontinents berichteten, wurden sie aufgefordert: "Schreibt doch ein Buch darüber!" So entstand ein über 300 Seiten starkes Werk. Dazu werden auch ab und zu E-Mails der letzten Aufenthalte veröffentlicht, die mehr sachlich über den jeweiligen Projektfortschritt in Ngona berichten.




Extras von Active Aid in Africa

Betterplace


Brunnen-Sanierung
Es warten über 30 Brunnen auf Sanierung. Die SEZ/ Baden-Württemberg finanziert die ersten 15 Brunnen mit.
Active Aid in Africa hat Ende November 2016 mit der Reparatur begonnen.

Active Aid in Africa, Malawi, Reparatur am Brunnen

Die Kosten für die Reparaturen ähneln denen für den ersten in 2013 fertiggestellten Brunnen.

Schulpartnerschaft
Die Mpatsa School aus Tengani in Malawi grüßt herzlich alle SchülerInnen und LehrerInnen des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Pforzheim mit ihren Briefen zurück!

Mpatso High School Studenten

Herzlichen Dank mit jeweils einem symbolischen Baum an alle Mitwirkende und SpenderInnen! Mehr dazu unter "Projektentwicklung"
Multimedia-Vorträge
Active Aid in Africa Vortrag über Afrika, Malawi, Livingstone, Robert Mattheus, Birgit Uhlig, EMK Pforzheim
Mehr dazu unter "Wir ueber uns-Aktuelles"

Tagebuch-Extrakte

Reisen 2006 und 2007-2008

Matiasi`s Kuh

Auszüge aus unserem Tagebuch

Wie es dazu kam...

Uns allen ist bekannt, dass gerade im südlichen Afrika Armut, Hunger und Epidemien wie Malaria und HIV/AIDS herrschen, dass insbesondere Afrika immer mehr verwüstet.

Genau deshalb haben Birgit Uhlig und Robert Mattheus im Jahre 2007 den Verein Active Aid in Africa e.V. gegründet. Birgit Uhlig hatte bereits gute Kontakte geknüpft durch ihre frühere Freiwilligentätigkeit in Malawi. Sie hatte Malawi als sehr offen und fremdenfreundlich kennengelernt. Mit einigen Malawiern, insbesondere dem heutigen Projektleiter Mybeck gab es über die Jahre hinweg gute Mailkontakte. Er war es, der sie schließlich von der Notwendigkeit von armutslindernden und zugleich umwelterholenden Maßnahmen überzeugte, als er sie mitnahm in den Lower Shire.
Weil sie sich schon seit langer Zeit für Umwelttechnik interessiert, kam es zur Projektidee: Bäume pflanzen. Aber gleich welche, die den Boden verbessern für Landwirtschaftlichen Anbau und obendrein ölhaltigen Nüsse liefern. Das Öl davon kann u.a. für Kochherde und Ölkerzen genutzt werden.
Trotzdem sind wir uns sicher, dass wir noch nicht endgültig den Stein der Weisen gefunden haben. Armut und Hunger zu bekämpfen, obendrein die Trinkwasserversorgung zu verbessern und gleichzeitig etwas für die Umwelt zu tun, das wird noch sehr lange Zeit dauern, ist nicht von heute auf morgen getan.

Der Leser wird im Buch direkt mitgenommen auf die Reise von Kenia nach Malawi per Bus. Er wird mit in die kuriosesten Verwirrungen verwickelt. Dabei dürfte der Leser mindestens einmal pro Seite seine Lachmuskeln strapazieren, frei nach heiterer malawischer Lebensart. Warum denn die Mundwinkel abhängen lassen? Das Leben ist schon ernst genug und meist auch trostlos dazu. Dabei kann aber Lachen so einfach sein!
Das Buch zeigt ein zumeist anderes Bild von Malawi und einigen weiteren Orten sowie deren Bevölkerung nebst den "Weißen" zwischen Kenia und Malawi.

Birgit Uhlig wurde 1958 im heutigen Sachsen förmlich vom Esel im Galopp verloren, was immer das auch sein mag... Robert Mattheus bekam 1967 in Pforzheim seinen Startschuss ins Leben. Beide haben gemeinsam den Verein und das Projekt in der vom übrigen Leben bisher abgeschiedenen südmalawischen Region des Lower Shire ins Leben gerufen.

Deckel zum Buch

Vorwort von Birgit:

Wir alle kennen schon die typischen Afrikabilder aus den Medien zur Genüge:
Gravierende Armut, verhungernde, ausgemergelte Kinder mit großen Augen und Blähbäuchen, Seuchen, Tod und Verderben. Doch in Malawi erkannte ich in den Leuten eine aufkeimende Hoffnung. Sie selbst sind bereit, etwas zu tun, damit ihr Leben eines Tages lebenswerter wird. Nur fehlt ihnen das nötige Kleingeld für ihren Start ins neue Leben. Diese Chance wollen wir ihnen geben, mit Hilfe von Spendengeldern oder gar öffentlichen Förderungen.

Wir gehen davon aus: Es ist eine Sauerei, wenn jemand helfen kann, aber es nicht will und nach dem Motto lebt: "Was geht mich das Unglück anderer an? Jeder ist schließlich selbst schuld an seinem Schicksal..."

Um letztendlich zum Erfolg zu kommen, bedarf es der Zusammenarbeit vieler, vieler Aktivisten. Dabei ist unser Projekt nur ein kleiner Teil vom großen Ganzen der vielen anderen Maßnahmen internationaler Hilfsorganisationen und Akteure. Alle mit dem hehren Ziel, dass Afrikas Bevölkerung, insbesondere die in den unterprivilegierten, zumeist unzugänglichen ländlichen Regionen aus der Misere herauskommt. Damit keiner mehr das Wort "Hungern" kennen soll. Dabei kommt der Erhaltung und der Regenerierung der Umwelt eine beträchtliche Rolle zu.
Bill Clinton sagte einmal vor ein paar Jahren: "Wenn es Afrika besser geht, wird es allen besser gehen. Afrika ist unsere Zukunft." (?)

Wir haben absichtlich auf Statistiken verzichtet, denn die gibt es zuhauf auf den entsprechenden Websites.

Das Buch erzählt, wie wir unsere Fahrt nach Malawi und den dortigen Aufenthalt erlebt haben, wie wir Recherchen zogen und Schritt für Schritt an der Etablierung des Projektes arbeiteten. Bei vielen Personen haben wir aus Rücksicht auf deren Privatsphäre den Namen geändert. Wir hoffen, dass dieses Buch den einen oder anderen animieren wird, sich selbst für Afrika oder gar Malawi zu engagieren.

Kleinster Spross von Matiasi in Ngona
Achtung!
Es kann nun losgehen...

In Kenia

Zerquetscht und ausgelaugt müssen wir nun am anderen Tag den kenianischen Behörden am Flughafen standhalten: Pässe vorzeigen, ausgefüllte Visa-Anträge dazu, das erste Mal auf kenianischem Boden Knete abdrücken- das Eintrittsgeld für das Land, Visa genannt. Auch der Zoll will noch einiges von uns wissen. Gefilzt werden aber andere. So können wir ungehindert unser „bescheidenes Gepäck“ in die warme afrikanische Freiheit befördern. Wie kommen wir aber nun nach Mombasa und zu Roberts Freund Thomas? Hält letzterer immer noch im Sundowner Restaurant am Diani-Strand seine Schäfchen in Schach? Keine Stadtbusse oder gar Quetschkisten sind zu sehen, nur die vielen Reiseunternehmen und Taxifahrer, welche auch immer ein gehöriges Scheibchen vom großen "Kuchen" im Tourismus abhaben wollen, natürlich. Guten Appetit allerseits.

Ich sorge mich ernsthaft: „Wie kommen wir bloß am sichersten zum Diani Beach, damit uns so ein Dilemma wie vor einem Jahr in Nairobi nicht wieder passiert?“ Damals waren wir das erste Mal seit drei Jahren wieder auf afrikanischem Boden, in Nairobi, gelandet und das auch noch nachts. Ein Taxifahrer brachte uns in die Innenstadt, weil keinerlei öffentliche Busse mehr fuhren. Dort wollten wir zu meinem Leidwesen auch sofort eine Weiterfahrt nach Mombasa kaufen. Der sehr hilfsbereite Taxifahrer brachte Robert zu einem Ticketstand am Busbahnhof, während ich im Fahrzeug mit all unserem Gepäck wartete. Mir kam es vor, als verrann eine Stunde nach der anderen. Inzwischen erschienen aus dem Dunkel Gestalten von allen Seiten her. Sie schlichen langsam, aber zielsicher auf das Vehikel mit mir als ein Teil des Autoinventars zu. Das gab mir das sichere Gefühl, ein von Habichten gejagter Hase zu sein: „Oh großer Gott! Ist wohl alles aus, was geb´ ich zuerscht her…?“ Immer näher tasteten sich die gespentisch wirkenden Schatten vor, genauso wie Löwen ihre Beute anschleichen. Diese dunklen Typen hatten doch nichts Gutes im Sinn. Der Kreis um mich herum zog sich mehr und mehr zusammen. Nur noch ein paar Schrittchen. Was dann? Ja Mensch, wo bleiben denn Robert und der Fahrer? ... Oh, da! Gottseidank, die Polizei tauchte zufällig auf, in diesem Falle wahrhaftig meine Retter in letzter Minute! Mit einem Male waren diese Gestalten wie im Nichts aufgelöst - verschwunden. Nur wenige Minuten später waren auch Robert samt Fahrer wieder da und beide wunderten sich über den recht bedepperten Eindruck von mir. Aber dieses Mal waren wir ja nun direkt in Mombasa gelandet und das bei Tageslicht. Da waren wir zumindest in dieser Beziehung sicher, denn hier kannte sich Robert auch aus. Siehe da: ehe wir es uns versehen haben, landen wir in einem Taxi, mit dessen Fahrer wir noch bis nach der Likoni- Fähre zum Diani-Strand über den Preis herumfeilschen. Zuerst geht es um 4.500 Schillinge, bis zuletzt 2.500 Schillinge (etwa 28 €) herauskommen, gerade als wir aussteigen - an unserem Bestimmungsort, dem Sundowner Restaurant. So einfach und bequem sind wir dieses Mal gleich an unseren Bestimmungsort gebracht worden? Unterwegs heißen uns schon mal die Affen an der Straße herzlich willkommen. Unser Freund Thomas ist leider ausgebüxt nach Westkenia zu seinen Verwandten. Später sollen wir erfahren, was es damit auf sich hat. Nachdem wir uns in Thomas` Haus notdürftig eingerichtet haben, pirschen wir uns auch noch am gleichen Abend auf verschlungenen Pfaden in der Nähe durchs Gebüsch. Plötzlich sichten wir das ehemalige Boko-Boko, als wir uns wieder in die Zivilisation zurückbegeben wollen. Im letzten Jahr hatten wir diese Lokalität aufgesucht, weil wir nach unserer damaligen Ankunft bei Nacht nichts Besseres - oder besser gesagt – nichts Billigeres gefunden hatten. Die Besitzerin stellt sich dieses Mal gleich vor: Die lebhafte zierliche Person namens Frau Früchtlein eröffnet uns, auch mit dem gleichen „Riesenvogel“ hierher geflogen zu sein wie wir. Potz Blitz noch a moal! Dabei hatten wir im letzten Jahr reichlich gelöhnt für die Bleibe in ihrem Cottage. Das fruchtige Energiebündel vermietet fünf sehr schöne Hütten an Urlauber und will irgendwann ausbauen. Sie studierte Jura und kommt aus Sachsen. Nun will sie einen Verein aufziehen zur Förderung der Bildung in den armen, ländlichen Gebieten Kenias.

An der Hauptstraße zurück zu unserem "Apartment" werden wir von den vielen Straßenverkäufern und Safarivermittlern in allen Ehren herzlichst begrüßt. Uns ist nicht klar, woher die alle uns schon so gut kennen... Das berührt uns aufs tiefste. Unsere ersten Bananen kosten deshalb auch gleich mehr als das Doppelte des Normalpreises. Bei Sonnenuntergang nach 18 Uhr haben wir nichts weiter zu tun, außer schnellstens die Ruhestätte aufzusuchen und bis weit nach Sonnenaufgang die schönsten Abenteuer vorauszuträumen...

...Aber wie geht es weiter?

Das werdet Ihr sehen, wenn Ihr Euch vormerken lasst über unseren Fragebogen. Denn sobald sich 250 Interessenten gemeldet haben, wird der Traum vom gedruckten "Tagebuch" in Erfüllung gehen - für Euch, liebe Leser, und auch für mich, die Autorin samt AAA-Team, insbesondere Robert.

Damit Ihr nicht die "Katze im Sack kauft", könnt Ihr Euch auch ein Exposé herunterladen:

Exposé herunterladen
hier klicken

Berichterstattungen beider Vorsitzender live aus Malawi im November 2011

Bericht von Birgit:

Sind nun gerade mal auf kurze Zeit in Blantyre oben und haben uns fast die ersten Frostbeulen geholt, nachdem wir in einer Bruthitze von weit über 40 Grad über eine Woche im Lower Shire gegrillt wurden. Hier oben waren es die letzten Nächte über sogar ab und zu unter 20 Grad.

Bericht vom 22. November:

Liebe Freunde von AAA,

für eine Weile waren wir ganz außer Reichweite von jeglichem Internet und Stromzugang. Viele von uns in Deutschland können sich gar nicht vorstellen, wie das so ist:
Immer und überall Staub, Staub, Staub. Der bedeckt alles, was ihm im Weg steht oder geht. Jedes noch so sachte Lüftchen lässt uns allmählich schwärzer aussehen als wir sind. Bei uns ist es ein entscheidender Nachteil, weiße Haut zu haben, denn da sieht man jedes bisschen Dreck doppelt.
Normalerweise könnte man sich am besten den halben Tag lang in Wasser legen, aber das heizt sich dann auch auf, bis es die 45 Grad im Schatten erreicht. Außerdem müssen die Frauen immer alles erst von einem Brunnen heranschleppen. Da verbietet es sich von selbst, dass man mehr als einmal täglich etwas Wasser per Kaffeetasse über den ausgedörrten Körper schüttet.

Zeigt her Eure Füße
Neues Patent zum Trinkwasserfiltern
Dinner for one

Hauptsache, man trinkt hier genug. Aber gegen Abend hat auch das per eigene Konstruktion erzeugte Trinkwasser auf die besagten 45 Grad kommt. Es schmeckt dann alles wie ...
Morgens wecke ich stets mit Kreuzschmerzen auf, denn hier wird am Boden geschlafen, ich habe glücklicherweise mit einer Schlafmatte und einer Decke vorgesorgt, die als Bettüberzug ihren Dienst besser erfüllt als sie ihrem Namen Ehre machen würde.

Wir hatten nun ganz überstürzt einen Termin beim Distriktchef bekommen (vergleichbar mit Baden-Württembergs Ministerpräsidenten und seinem Landtag). Wir wurden da eifrigst über mehrere Stunden lang in Beschlag genommen. Schließlich segnete der "DC" (District Commissioner) unser Projekt als förderungswürdig ab und erteilte uns einige Auflagen. Dazu müssen wir auf unserem Grundstück von 12 ha ein Vereinshaus bauen und einen Brunnen errichten zur Versorgung der nahe liegenden Bevölkerung, obendrein unser eigentliches Ziel, eine Gäk;rtnerei errichten.

Er sagte auch seine Unterstützung zu, wenn wir die ersten Aufgaben erledigt haben werden. Nun sind wir dabei, Preise für den Brunnenbau zu erkunden, die Ersatzteile förmlich zusammenzuklauben und Ausweichpläne auszuarbeiten, falls der Brunnenbau am Anfang noch zu teuer ist.

Unser Gastgeber im Lower Shire hat uns zugesichert, sein neu gebautes (noch Rohbau) Gästehaus abzubauen und das Material dafür uns zur Verfügung zu stellen, um so Kosten zu sparen. So könnte in den nächsten Tagen uns Wochen das erste Gebäude auf unserem Feld entstehen.

Ich treibe unterdessen die Errichtung einer ersten AAA-eigenen Gärtnerei voran. Als nächstes werde ich auch Schulungsmaterial für die Schulen der Gegend zusammenstellen, was die Bäume und ihre Bestandteile sowie deren Nutzung betrifft.


Wir mussten immer noch feststellen, dass viel zu viele Nutzbäume ohne jegliche Beachtung abgeholzt werden. Einige Proben von Niemblättern für Tee habe ich schon gesammelt.

Liebe Freunde, deshalb bitten wir Euch alle um Unterstützung fachlicher, finanzieller und tatkräftiger Art!

Wir sehen uns ... recht bald wieder an dieser Stelle in Facebokk!

LG das AAA-Team aus dem Backofen von Tengani-Malawi

Bericht von Robert:

einen warmen, sonnigen Gruß aus Malawi möchten wir Euch allen senden.

Während Birgit bereits seit einigen Wochen vor Ort war (d.h. in Lilongwe bzw. Blantyre), bin ich am 9. bis 10.November hinterher gereist.

Als ich bald darauf Birgit anrief, bat sie mich, schnellstmöglich nach Blantyre zu fahren, da das DEC-Meeting vom 26.November auf den 15. vorverlegt worden war. Sie hatte mit Mybeck schon viel vorbereitet und diesen ...-zig Mal gedrängt, den DC (District Commissioner, eine Art Ministerpräsident) persönlich zwecks Terminbestätigung anzurufen.
Mybeck erreichte diesen kurz nach meiner Landung, wo sie dann erfuhren, dass die Sitzung vorverlegt wurde. Das hätte schwer ins Auge gehen können, da dieses DEC-Meeting das Hauptziel unserer Reise war und das nächste erst am 13.Dezember, also einen Tag nach unserem Heimflug, stattfinden soll.

Nichts also mit einem Tag in Lilongwe von den Strapazen ausruhen.

So bin ich gleich am nächsten Morgen zum Bus nach Blantyre chauffiert worden, wo mich Birgit bei meiner Ankunft am Nachmittag bereits erwartete. Auf der tiefgelegenen Zwischenstation Zalewa, am Oberlauf des Shire, bekam ich einen leichten Vorgeschmack, was für eine Hitze uns im Lower Shire erwarten sollte. Wir verbrachten den restlichen Freitag und Samstag mit Mybeck zusammen bei ihm daheim und sprachen das Meeting durch, damit ich die ganzen Vorbereitungen kennenlernte. Dann gab es am Samstag noch etliche Einkäufe für die große Fahrt zu erledigen und wir mussten Geld von der Bank holen, um unseren Anteil für das DEC-Meeting zahlen zu können.

Sonntag (13.11.) früh packten wir alles zusammen, da ich fast einen ganzen Koffer voll Geschenk dabei hatte von unserem neuesten Mitglied.

Um 10 Uhr ging nach einstündiger Warterei die Fahrt endlich los. Als es die Serpentinen ins Tal hinunterging, wurde aus der Wärme bald eine Hitze. Einer Malawierin hinter uns musste sich sogar übergeben, wo Birgit und vor allem ihre Sitznachbarin etwas davon abbekamen.

Im Tal angekommen, befanden wir uns in einem Glutofen. Durch die Fenster kam einem eine heiße Backofenluft um die Nase gewedelt, die kaum zum Aushalten war. Etliche Stunden später kamen wir in Tengani an, wo wir sogar eine Zollkontrolle hatten, weil es in letzter Zeit häufige illegale Grenzübertritte in bzw. aus Mosambik gegeben habe. Zuvor hatten an der Grenze unseres Nsanje-Distrikts alle aussteigen müssen zur Zwangsimpfung, weil die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen sei, wenn wir es richtig verstanden haben. Wir wurden jedoch verschont, da wir fast ganz hinten im Bus saßen und als wir gerade aussteigen wollten, kehrte die Menge schon wieder zurück.

In Ngona war die Hitze schier nicht zum Aushalten. Das Haus wurde bei Anbruch der Dunkelheit verriegelt und verrammelt, so dass es drinnen lange Zeit über 40 Grad heiß blieb. Das Abendessen wurde natürlich im Haus serviert und war eine schweißtreibende Tortur. Als ich ins Bett ging, war es noch immer bullig heiß im Zimmer, selbst Birgit konnte kaum schlafen.

Am nächsten Morgen wollte Mybeck nachkommen, der sonntags gearbeitet hatte, um Montag und Dienstag fürs DEC-Meeting frei zu bekommen. Ich weigerte mich abends, wieder im Haus zu essen und ließ es mir draußen servieren. Die Leute taten mir nach langem Zureden endlich den Gefallen, auch wenn sie kein Verständnis dafür hatten, trotz meiner Erklärungen und über diese sogar lachten. Als dann jedoch Mybeck (erst abends) aus Blantyre ankam und sich ebenfalls weigerte, drinnen zu essen, verstummte das Lachen, zumal er erklärte, das es für uns noch viel schlimmer sei als für ihn selbst.

Am entscheidenden Dienstag standen wir mit den Hausfrauen und Hühnern zusammen zu Beginn der Dämmerung, d.h. kurz nach 4 Uhr auf, um den ersten Bus nach Nsanje, der Distrikt-Hauptstadt, zu erreichen. Wir mussten jedoch fast genau eine Stunde an der fast menschenleeren, aber seit Ende letzten Jahres geteerten, Hauptstraße warten.
Unser Minibus war überhaupt das erste vierrädrige Fahrzeug, das in dieser einen Stunde in Richtung Nsanje fuhr, in Gegenrichtung nach Blantyre war es nur wenig mehr.

Trotzdem waren wir schon um 7.30 Uhr in Nsanje, d.h. eine Stunde vor Beginn, der sich jedoch verzögerte und das Meeting erst nach 9 Uhr begann. Selbst um 9.30 Uhr trudelten noch Leute ein, weshalb der DC erbost meinte, dass nach Schließen der Tür keiner mehr hereinkommen dürfe. Jedoch wurde die Tür nie geschlossen. In der ersten Stunde wurde das Protokoll der letzten Sitzung durchgekaut, bis die neuen Tagesordnungspunkte drankamen. Ich war schon am Verschmachten, als endlich die von uns bezahlten Erfrischungsgetränke eintrafen und verteilt wurden. Es ist gang und gäbe, dass eine neue Organisation, die sich vorstellt, die Sitzung samt Getränken bezahlt.
Wir kamen mit unter 100 EUR sogar besonders günstig davon, weil wir nur die Getränke und Knabbereien zahlen mussten, da es sich um eine reguläre Sitzung handelte, also keine durch uns selbst einberufene. Hätten wir die Sitzung einberufen, hätten wir nämlich für alle ca. 40 Teilnehmer auch die Allowances, d.h. die Aufwandsentschädigungen zahlen müssen, was nochmals etwa 300 EUR ausgemacht hätte.

Kurz nach 11 Uhr waren wir an der Reihe...
District-Meeting
District Chef

Wir präsentierten uns selbst und unser Projekt eine halbe Stunde lang, wo wir danach eine weitere halbe Stunde lang kritischen Fragen und Wortklaubereien ausgesetzt waren. Dann hatten wir es endlich überstanden und unser Projekt wurde von der Versammlung genehmigt. Jedoch war da leider nichts mit Pause oder Sitzungsende. Ganze sechs Stunden lang ging die Sitzung, bis wir um 15.30 Uhr endlich erlöst waren - um gleich darauf eine weitere Sitzung mit unserem designierten König, dem TA (Traditional Authority) zu haben, der auch nochmal alles genau wissen wollte, obwohl er die ganze Sitzung über dabei war. Zum Abschluss wollten wir uns die Besichtigung des neu erbauten Hafens gönnen, welche wir jedoch sogleich wieder abbrechen mussten, weil es zu gewittern anfing. Bald waren wir die 24 km nach Tengani zurückgefahren, wo es mal wieder keinen Tropfen geregnet hatte.

Den nächsten Tag ließen wir sehr langsam angehen und standen erst um 6 Uhr auf. Bis dahin hatte ich nur Stress gehabt, so dass ich mir mal einen Ferientag gönnen durfte. Da der ganze Tag trüb blieb, wurde es endlich auch mal deutlich angenehmer von den Temperaturen her. Damit war es am Donnerstag jedoch wieder vorbei. Von da an schien die Sonne wieder unerbittlich vom Himmel bei weit über 40 Grad. Trotzdem ist von den wenigen Regenschauern aus den letzten Wochen die Gegend schon fantastisch grün geworden.

Endlich hatten wir Zeit, mal die Jatrophas hinter Mybecks Haus und auf unserem Demonstrationsfeld anzuschauen. Am Mittwoch bis Freitag planten wir mit Mybeck zusammen das weitere Vorgehen, schätzten Kosten für den Bau eines Bürogebäudes, einer Aufzuchtstation und der Reparatur unseres Brunnens auf der Demofläche ab. Dazu wurde ein Brunnenbauer herangezogen, der beide versiegelte Brunnen auf dem Grundstück öffnete und untersuchte. Die Reparatur des einen ist für ca. 300 EUR machbar, insofern die Preise noch aktuell sind, denn in Malawi verteuert sich aufgrund der dortigen Treibstoffkrise derzeit alles viel schneller als sonst. Mybeck ist gerade dabei, alle Preise für die benötigten Ersatzteile ausfindig zu machen.

Daher beschlossen wir, in den nächsten Tagen wieder nach Blantyre hochzufahren, das Geld und die Ersatzteile zu beschaffen, um dann wieder nach Ngona zurückzukehren. Mybeck ging schon am Freitag los, während wir noch das Wochenende über verweilten. Wir entspannten uns etwas und besichtigten nebenher noch die Jatropha-Bäume, jedoch ist bei der Hitze alles wie gelähmt.
An Arbeit ist kaum zu denken und auch wir hingen über die Mittagszeit nur faul herum.
Nur in den zwei Stunden von der Morgendämmerung bis kurz nach Sonnenaufgang, d.h. von 4 bis 6 Uhr ist es erträglich, weshalb wir auch immer so früh aufstanden, wie die Einheimischen. Ab 6 Uhr wird es schon wieder unangenehm warm und nach 9 oder 10 Uhr bleibt es bis 17 Uhr schier unerträglich.

Am Sonntag gingen Birgit und ich noch bei Sonnenaufgang los, um den Shire und seine Inseln zu erkunden. Wir bekamen außer einer wilden und zum Teil fast unberührten Landschaft sogar einige kleine Krokodile zu Gesicht, die vor uns die Flucht ergriffen und sich Hals über Kopf in den Fluß stürzten und als Höhepunkt sogar einige Flusspferde, die sich im Shire tummelten.

Flusslandschaft
Shire-Fährboot
Bootsfracht - Grasstengel

Als wir zurückkamen, war es schon fast Mittag, alle Wasserflaschen leer und wieder eine sengende Hitze. Zuvor waren wir bei einem von Mybeck und Herrn Donsa vom Forstministerium angepflanzten Jatropha-Wäldchen vorbeigekommen. Die 105 Bäume wurden Januar 2010 gepflanzt, also vor nicht mal 2 Jahren und sind schon alle 2-3 m hoch und tragen dicke Nüsse.

An einem der Nachmittage verteilten wir alle mitgebrachten Geschenke und konnten bald darauf die neu angezogenen Besitzer bewundern.

Dank an die Spender der Geschenke aus Deutschland
Dank an die Spender der Geschenke aus Deutschland
Dank an die Spender der Geschenke aus Deutschland

Am gestrigen Montag fuhren wir in rekordverdächtiger Zeit nach Blantyre. Wir marschierten um 6 Uhr in Ngona los, erreichten zeitgleich mit einem Minibus die Bushaltestellte in Tengani und fuhren in nur drei Stunden nach Blantyre, wo es vor 10 Uhr noch erfreulich kühl war. Wie erwähnt werden wir hier einige Tage bleiben, um dann zwecks Brunnenbau wieder für etwa eine Woche nach Tengani zu fahren. Wir werden uns entweder zum Ende dieser Woche nochmals melden oder dann erst wieder ab Anfang Dezember...

Bis dahin wünschen Birgit und ich nochmals alle lieben Grüße, bis wir uns bald wieder in Old Germany sehen.